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| Es war jetzt ja schon öfter mal zu lesen, dass dEUS-Kopf Tom Barman ein launiger Gesprächspartner sei. Vor dem Konzert seiner Band am 09. April in Saarbrücken war der Belgier in äußerst guter Stimmung und plauderte mit uns über den Vorteil, Belgier zu sein, die neue Platte "Vantage Point", Kino und vieles mehr. |
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whatrocks: Ich will damit beginnen, dir meine persönliche Erfahrung mit dEUS zu schildern. Ich kenne die Band schon seit der ersten Single "Suds and Soda". Ich mochte den Song, aber ich hab mich nicht weiter mit der Band beschäftigt. Mein bester Freund Thomas, den ich seit rund sechs Jahren kenne, gab mir damals Kopien von "Worst Case Scenario" und "The Ideal Crash". Aber erst mit "Pocket Revolution" hab ich mich so richtig in dEUS verliebt. Und was das Seltsame daran ist: Ich habe dann auch die älteren Alben wieder gehört und mich gefragt wie ich all diese unglaublichen Melodien bisher überhören konnte. Meine Schlussfolgerung ist also, dass man dafür erwachsen genug sein muss. Was denkst du darüber und kennst du Leute denen es ähnlich ging? *Tom lacht* Vielleicht hattest du auch selbst schon ähnliche Erfahrungen…?!
Tom: Gute Frage! *Pause* Aber auch eine schwere *lacht*. Ich kenne keine aber ich denke es stimmt, dass es manchmal seine Zeit dauert, um Bands zu entdecken. Ich denke, es ist dasselbe mit Essen. Du musst in einem bestimmten Alter sein, um Oliven zu mögen. Auf der anderen Seite ist das Schöne daran, solange in unserem Geschäft zu sein - wir haben ja mittlerweile fünf Alben - dass die Leute das alte Zeug wiederentdecken können. Genau wie ich, als ich ein Kind war und das ganze Zeug entdeckte, das schon da war, als ich nicht mal geboren war. Das ist großartig. Aber erwachsen ist ein gefährliches Wort, denn ich denke nicht, dass wir sehr komplizierte Musik machen. Wir machen Musik, die in Schichten funktioniert, aber ihr Boden ist immer der Song; die Basis, ist der Song. Wir haben auch eine große Liebe zu Melodien. Aber was wir am meisten mögen, ist mit Sounds zu experimentieren und den ganzen Melodien dann grundsätzlich eine Wendung zu geben. Und erwachsen ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber du musst dem Ganzen etwas Zeit geben. Meine Erfahrung ist: Wenn du der Musik etwas gibst, dann gibt sie dir auch etwas zurück. Das ist auch hoffentlich hier der Fall.
whatrocks: So, da du nun meine Karriere als dEUS-Fan kennst, muss ich dir erst noch eine Frage zu diesem speziellen Album "Pocket Revolution" stellen. Ich habe ein Interview mit dir gelesen, in dem es hieß, ihr seid jetzt songorientierter aber auf dem letzten Album sei jeder Song für sich selbst schon ein eigenes Album gewesen. Was hast du damit gemeint?
Tom: Wir waren immer schon eklektisch. In dem Sinne, dass wir schon immer leicht verschiedene Stile hatten. Aber wir waren immer songorientiert. Wenn du Interviews gibst, dann musst du manchmal etwas übertreiben, um es auf den Punkt zu bringen. Weißt du, wir lieben Songs. Songs, die Geschichten erzählen, die Spaß machen, live gespielt zu werden. Meine Erfahrung ist, dass du mit längeren Songs die Leute physischer ansprichst und dass du das auch wirklich versuchst, wenn du sie spielst. Ich liebe Popmusik, mag Drei-Minuten-Songs, aber ich wäre gelangweilt, wenn ich jede Nacht 20 Popsongs spielen müsste. Kaum legen wir los, neigen wir zum Epos. Und das ist wahrscheinlich das, was ich damit meinte.
Auf "Vantage Point" haben wir Breaks, neustartende und minimalistische Passagen und dann wird es plötzlich ziemlich laut. Ich denke, es ist ein filmischer Anspruch, der wohl etwas damit zu tun hat, dass ich Schauspieler mag. Ich mag Filme und Songs, die mich in eine andere Welt ziehen. Auf der anderen Seite mag ich auch Popsongs. Das Ergebnis liegt irgendwo dazwischen.

whatrocks: Zwischen "Pocket Revolution" und "Vantage Point" liegen nur zweieinhalb Jahre anstatt der sechs Jahre zwischen den beiden Vorgängern "Ideal Crash" und "Pocket Revolution". Bis dahin habt ihr auf vier Alben mit vier verschiedenen Line-Ups gearbeitet. Dies ist das erste Mal, dass dieselben Typen an einem Nachfolger arbeiten. Ist das der einzige Grund, warum ihr so schnell zurück seid?
Tom: Ja, und ich kann dir sagen, dass unser nächstes Album auch von diesen Jungs gemacht wird und zwar noch schneller. Ich meine, zweieinhalb Jahre sind immer noch eine lange Zeit und wir wollen das nächste Album in eineinhalb Jahren machen. Wir haben eine Stabilität in der Band und es ist eine willkommene Änderung nach Jahren wechselnder Line-Ups. Das hat auch Vorteile, aber es ist gut zu wissen, dass wir gerade eine gute Phase haben. Wir können vorausschauen, wir reden wirklich schon über das nächste Album. Das ist ein Ruhefaktor, ein Entspannungsfaktor. Man kann sich wirklich darauf konzentrieren, was man mit genau diesen Typen tun wird, anstatt darüber nachdenken zu müssen, wer demnächst was spielt. Für mich ist es eine positive Entwicklung, dass wir zusammenbleiben.
whatrocks: Du sagtest einmal, dass es dein Traum wäre, ein einziges Mal ein Album mit denselben Leuten aufzunehmen. Und du hast dir davon ein Meisterwerk erwartet. Denkst du, dass ihr das erreicht habt?
Tom:*Lacht* Wahrscheinlich beim nächsten Mal. Ich glaube, es ist ein wirklich gutes Album geworden. Es dauert eine zeitlang, um den speziellen Sound eines jeden kennenzulernen. Aber am Ende geht es in einer Band immer darum, dass du etwas besser machen möchtest. Und das ist der Grund, warum es so langsam voran geht. Du willst etwas verbessern. Das nächste Mal solltest du besser sein. Und ich denke wirklich, dass unser neues Album besser ist als das letzte. Also sind wir auf einem guten Weg.
whatrocks: Und ihr habt untereinander noch immer eine so gute Bindung oder sogar eine bessere als vor zwei Jahren?
Tom: Zusammen? Naja, also mit Claas bin ich ja jetzt schon seit 15 Jahren in dieser Band. Und eigentlich kommen wir heute besser miteinander aus als am Anfang. Er konnte mich damals nicht ausstehen. Und ja, von den anderen Jungs könnte man sagen, dass wir Freunde sind. Wenn wir arbeiten gehen wir uns ab und an auf die Nerven, wenn wir nicht arbeiten lassen wir uns aber auch mal in Ruhe. Ich mag diese Art zu arbeiten. Es ist eine zerbrechliche Art. Wenn du mit Menschen in einem Büro arbeitest, sie dafür bezahlst aber nicht siehst, dann hast du eine Distanz, aber wenn es emotionale Bindungen gibt... Wir wissen alle, dass wir gute Freunde sind. Und das ist die spaßigste Art zu touren, denn wir sind ja viel zusammen. Das ist ein wichtiger Punkt.
whatrocks: Ich denke, dass "Vantage Point" genauso homogen klingt wie "The Ideal Crash", wie "Pocket Revolution". Erzähl uns doch bitte ein bisschen über den Vibe während der Aufnahmen und der Vorbereitungsphasen. War es eine andere Vorgehensweise, fühlte es sich anders an, im Vergleich zur Vergangenheit, als sich immer neue Charaktere einzubringen hatten?
Tom: Auf jeden Fall. Wir waren fokussierter. Außerdem haben wir für den Produzenten gearbeitet, wir haben nicht die ganze Arbeit alleine machen müssen; alle Takes anhören und solche Sachen. Auf jeden Fall. Es war eine großartige Atmosphäre. Ich möchte niemals mehr zu "Pocket Revolution" zurück, denn das war die Hölle. Darüber hab ich ja auch schon viel geredet in der damaligen Zeit. Daher ist es Zeit, nach vorne zu blicken. Ja, defintiv Mann, es war komplett anders! Auf eine gute Art.
whatrocks: Als erstes hörte ich vor einiger Zeit "The Architect" und ich dachte "Oh nein. Jetzt machen sie einen auf Electropop! Bringt mir die putzigen Melodien zurück!!" Diese sind glücklicherweise überall auf dem neuen Album. Aber warum habt ihr gerade diesen Song ausgekoppelt, der zwar perfekt in das Ganze passt, aber für sich allein schon anders erscheint. Außerdem hat auch "Slow" diesen Depeche Mode-Vibe. Daher habe ich das Gefühl, dass diese beiden Songs sich ein wenig abheben. Ist das nur mein persönlicher Eindruck oder ist da was dran? Was sind denn eure Kriterien bei der Auswahl der Singles?
Tom: Erstmal suchen wir das nicht selbst aus. Das macht die Plattenfirma. Wir stimmen dann nur noch zu. Oder eben nicht. In diesem Fall haben wir zugestimmt, denn es ist ein eingängiger Song. Und der Punkt mit dem…Wie hast du es genannt? Electro-Pop?! Also ich denke zurück an die Neunziger, nach "Suds and Soda" und "Hotellounge" brachten wir als erste Single für "In A Bar…" den Song „Turnpike“ heraus, welcher das komplette Gegenteil zu den erstgenannten Songs war. Daher ist es nichts Neues mehr für uns, mit einer Art neuem Sound zurückzukommen, etwas Überraschendem. Eigentlich denke ich, das ist gut so. Deine Reaktion war zwar zuerst "Oh nein, tut das nicht!" Aber gleichzeitig warst du überrascht. Ich denke, es ist gut überrascht zu sein. Die Leute fragen mich: "Wer singt denn da?" Mauro singt den Song. Das ist besser. Weißt du, du darfst nicht zu nett zu deinen Fans sein. Du musst manchmal das tun, was du tun willst und wovon du fühlst, dass du es zu tun hast. Die Leute können dann für sich selbst entscheiden, ob sie dem folgen wollen oder nicht. Wir haben eigentlich nie das getan, was die Leute von uns erwartet haben. So will ich das auch beibehalten.
whatrocks: Außerdem ist das ja auch eine gute Möglichkeit, neue Fans anzusprechen…
Tom: Ja, auch. Aber das ist eigentlich gar nicht unsere Strategie. Es ist einfach ein eingängiger Song; das was die Radios wollen. Deutschland wollte lieber "Slow" spielen. Okay, ihre Entscheidung. Frankreich und Belgien wollten lieber "The Architect" und das ist auch okay. Das Einzige was ich nicht wollte, war einen soften Song als erste Single, denn das ganze Album hat mehr einen energetischen Vibe und daher hätte ein softer Song als erste Single ein falsches, komplett falsches, Image vermittelt. Und ich denke nicht – du sagtest ja, dass sie etwas herausfallen – dass die beiden Songs einen falschen Eindruck des Albums vermitteln. Oder tun sie das?
whatrocks: Nein, nein! Wenn man das Album komplett gehört hat, passt das alles perfekt zusammen.
Ich habe übrigens gelesen, dass ihr Tool liebt. Siehst du Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und euch?
Tom: Da ist die Gemeinsamkeit der Platten-Veröffentlichungen: Die erste Plattte 1994, die zweite 1996, die dritte ´99, dann fünf Jahre beziehungsweise sechs Jahre Pause. Das ist das Einzige. Wir lieben ihr letztes Album "10 000 Days". Aber Ähnlichkeiten?! Nein. Sie sind viel heavier, aber ich denke, sie haben einen ähnlichen geistigen Anspruch an ihre Musik und sie machen auch epische Songs.
Was du wissen solltest: Als wir auf "Pocket Revolution"-Tour waren, haben wir immer drei Songs angehört, bevor wir auf die Bühne sind. Dabei war auch "The Pot" von "10 000 Days". Und dann sind wir mit einem lauten "Yeah!" auf die Bühne.
whatrocks: Ich habe das gefragt weil ich denke, dass ihr eine Art Tool-Indie-Version seid: Progressiver Indie-Rock, wenn ich gezwungen wäre es zu benennen. Was meinst du dazu?
Tom: Ich zwinge dich nicht dazu, es zu benennen. *Lachen*
whatrocks: Hast du eigentlich gewusst, dass deine Band im deutschen Tool-Forum (www.toolband.de) diskutiert wird? Das hab ich zufällig gefunden, als ich mal das Netz über euch durchgegooglet habe. Interessanter Zufall, oder?!
Tom: Ach ja?! Cool. Das ist lustig.
whatrocks: In welchen Einheiten messt ihr eigentlich euren Erfolg? Ich frage das, weil ich den Eindruck habe, dass dEUS eine große Nummer sind, aber hauptsächlich im "Underground". Daher nehme ich an, dass die Verkaufszahlen jetzt nicht soooo riesig sind. Aber eure Shows sind immer gut gefüllt. Ist das ein Indikator für euch? Oder messt ihr das auf andere Art?
Tom: Nein, wir messen das schon so. Aber heute Abend spielen wir uns warm und wir wissen, dass Saarbrücken nicht so einfach für uns ist. Es werden wohl so rund 300 Leute. Die größten Städte sind ausverkauft: Köln, Berlin,…
Aber natürlich messen wir das. Es ist mir egal, ob eine Arena oder eine Bar – aber sie muss voll sein. Ich bin ganz schön angepisst, wenn sie nicht voll ist. Nenn das meinen "Bad Character". *lacht* Aber hier ist es ja relativ klein. Das wird nicht leer aussehen. Hoffe ich. Aber man muss ja auch sehen, das ist erst der Anfang der Tour, das Album ist noch nicht draußen. Wir werden sehen. Aber ich messe es natürlich. Ich tu das ja schon eine Weile und man will sich ja auch verbessern. Wir werden nie 20 Millionen verkaufen, aber wir haben rund eine Million Platten verkauft bisher. Und das ist wirklich okay.
whatrocks: Und was ist dann am Schluss der finale Indikator?
Tom: Volle Häuser. Also die müssen jetzt ja nicht riesig sein. In Amerika zum Beispiel sind wir nicht sehr bekannt. Aber wenn wir dann da in San Francisco in einer Bar spielen und die ist mit 200 Leuten voll, dann ist das okay für mich. Das ist vollkommen okay. Ich zieh es zwar vor in größeren Hallen zu spielen, aber das ist die Art und Weise wie wir das messen. Wenn du auf Tour bist und es auch schon eine Zeit lang machst, dann willst du eine Art Gefühl haben, dass du existierst, dass die Leute von dir Notiz nehmen. Das ist ein ganz einfaches menschliches Verlangen, denke ich. Dort gibt es natürlich auch viele Undergroundbands, Pursiten, denen das egal ist, die immer vor denselben Leuten spielen. Aber das ist nicht meine Ambition. Auf der anderen Seite setzen wir uns aber auch nicht hin und versuchen mit aller Gewalt Hits zu schreiben. Das ist etwas, was ich nicht kann. Das ist etwas doppeldeutig, ja. Aber um deine Frage zu beantworten: Es sind definitiv die Live-Shows, ja.
whatrocks: Lass uns über das Cover-Artwork zu "Vantage Point" reden: Auf einer Fan-Seite findet man ein paar Worte des Künstlers, Michaël Borremans , aber was bedeutet es für dich und warum hast du es ausgesucht? (Das Bild ist ein Teil einer Serie mit dem Namen "The Good Ingredients". Zwei Gruppen von Leuten liegen auf dem Boden, die Körper in zwei Kreisen angeordnet. Das ganze findet auf einem Parkplatz statt und drei bewaffnete Männer bewachen sie.)
Tom: Ich habe den Künstler getroffen. Er war großartig. Er nahm an, es sei ein wenig zu düster. Dann haben wir aber den Vantage Point-Schriftzug eingefügt.
Ich sehe es gerne an. Und dann sehe ich es immer weiter an. Es fasziniert mich noch immer und das sagt ja schon viel über den Künstler aus. Du kannst alles sehen, es ist nicht abstrakt. Ein Mann ist ein Mann, eine Frau ist eine Frau, ein Baum ist ein Baum, ein Auto ist ein Auto. Aber die Situation des Autos und des Mannes und des Baums ist strange. Und das mag ich. Auf der einen Seite ist es also sehr gut zu erkennen, aber du kannst nicht aufhören es anzusehen und stellst dir fragen. Und das reicht für mich: zu wissen, dass wir ein interessantes Cover haben.
whatrocks: Also keine spezielle Bedeutung, nur eine Herausforderung für den Betrachter?
Tom: Ja, aber nicht nur das. Also für mich ist da natürlich eine spezielle Bedeutung drin, aufgrund dieser Kreise. Du siehst da das Symbol für Unendlichkeit und da ist sehr viel Unendlichkeit, Beständigkeit und Ewigkeit in meinen Lyrics auf diesem Album. Aus mehreren Gründen war ich etwas besessen von Zeit auf diesem Album. Das war also ein kleines Extra-Detail, was dazu führte, dass wir sagten: Okay, wir nehmen das. Es ist also letztlich auch eine Art Erläuterung zu den Texten darin.
whatrocks: Das Cover der Single "Slow" zeigt diese Kreise nochmal aus einer anderen Perspektive. Dort sieht das nicht nach einer Acht aus, sondern nach zwei sich schneidenden Kreisen. Ist das eine bewusste Modifikation und wenn ja: Was ist die Intention dahinter?
Tom: Ich habe keine Ahnung. Wir dachten, wir entscheiden uns bezüglich der Single für denselben Künstler um ein wenig Kontinuität zu schaffen. Aber das müsstest du jetzt speziell den Maler fragen. Das weiß ich nicht.
whatrocks: Also ist das kein bewusster Unterschied…?!
Tom: Das Cover ist nicht ganz so düster und auch die Menschen, die patroullieren, haben keine Waffen. Das ist das Einzige, was ich sehe, aber alles andere müssten wir den Künstler fragen.
whatrocks: Okay, wo wir ja schon über Blickwinkel sprechen: Warum ist diese Stelle oder der Song, in dem von einem "Vantage Point" ("Slow") die Rede ist, so speziell, um das ganze Album zu repräsentieren?
Tom: Keine Ahnung. Ich dachte "Vantage Point" sei ein guter Titel. Es ist ein positiver Titel. Ich brauche exakt 15 Sekunden, um ihn zu erklären, was sehr gut ist, wenn du viele Interviews geben musst. Und weißt du, Belgien ist….Also "Vantage Point" ist eine strategische Position, von der aus du agierst. Belgien ist in bestimmter Hinsicht ein guter strategischer Punkt. Wir sind mitten in Europa, keiner weiß wirklich viel über uns. Deutschland ist sehr groß, ein großes Land mit großem Ego. Holland auch, Frankreich auch, England ebenso. Und wir sind da mittendrin und das gibt uns eine art neutralen Blick, denke ich. "Vantage Point" meint also eine gute Position, um Dinge zu beobachten. Das ist es, was ich mir darunter vorstelle. Das waren jetzt 30 Sekunden. *Lachen*
whatrock: Ihr kommt aus Belgien. Glaubst du, dass das auch ein wichtiger Aspekt für eure Karriere ist? Oder meinst du, es limitiert euch eher? Was ich meine ist die Tatsache, dass man aus den Benelux-Ländern oder auch aus Osteuropa sicher ein Exot in diesem Geschäft ist. Das kann ein Vorteil sein, aber auch genauso ein Nachteil, denn man muss viel mehr beeindrucken als anglo-amerikanische Kollegen. Außerdem denke ich, dass ihr vielleicht auch erfolgreicher wärt, wenn ihr aus den Vereinigten Staaten oder aus Großbritannien kämt. Wenn ich mal vergleiche, dann gibt es da viele, viele Bands, die deutlich schlechter sind aber mehr Erfolg in Europa haben als ihr. Was meinst du?
Tom: Es gab Zeiten, da hat mich das sehr frustriert, aber da bin ich komplett drüber hinweg. Zuallererst: Wären wir nicht aus Belgien, würden wir nicht diese Musik machen. So einfach ist das. Und weißt du: Das ist das Leben. Du musst das akzeptieren, was du hast und was du bist. Ich denke, wir haben das gut gemacht. Wir haben Belgien auf dem Markt verortet und das ist eine gute Sache. Es ist keine Zeit, um zurückzuschauen und zu denken, ich wünschte ich wäre Amerikaner. Wäre ich Amerikaner, hätte ich diese Musik nicht gemacht, weil ich die nötige Distanz nicht gehabt hätte. Es wäre anders. Ja klar, in Amerika wird alles mehr gepusht. Aber wir sind auf einem englischen Label und waren auch immer auf einem englischen Label. Und das ist gut. Mittlerweile gibt es in jedem Land ein oder zwei wirklich unglaubliche Künstler. Das war nicht so, als wir angefangen haben. Da gab es die Cardigans, Urban Dance Squad – ich weiß nicht, ob du dich noch erinnerst – und das war’s. Jetzt haben wir viele gute schwedische Bands, mehr gute norwegische Bands, interessante finnische Bands, dänisch Bands, die ihre Sache gut machen. Daher ist es gut, dort weiterzuarbeiten wo du schon immer warst. Die Gefahr besteht nämlich, dass du dich verhältst und bist wie die von dir erwähnten Leute. Und wir wollen uns unsere Identität bewahren. Und unsere exakte Identität ist, etwas davon zu nehmen und etwas davon zu nehmen, und davon und davon und es uns einzuverleiben. Würden wir in New York leben, würden wir vermutlich nach zwei Wochen wie die Strokes klingen.
whatrocks: Ich bin froh, dass dem nicht so ist. Wie sieht es mit euren Plänen aus? Du hast erwähnt, dass euer nächstes Album schon Ende 2009 erscheinen soll. Wie sicher bist du dir mit diesem Statement?
Tom: Nicht sicher. Aber wir haben absolut vor, schneller zu arbeiten. Und das muss möglich sein. Aber ich kann es nicht versprechen.
whatrocks: Eine größere Tour ist für Herbst geplant. Warum spielt ihr jetzt in diesen kleinen Venues? Mögt ihr diese Intimität?
Tom: Ja, absolut. Wir haben viele Songs zu spielen und es ist gut sich warmzuspielen. Das ist nix besonderes. Arcade Fire sind sehr groß in Großbritannien und sie starteten ihre Tour zum neuen Album an einer Universität vor rund 600 Leuten. Das ist also kein nennenswerter Event. Wir starten jetzt auch gerade die Tour, gute Festivals stehen an. Wir spielen das Melt-Festival, das ist ein cooles Festival. Und wir werden co-headlinen. Das ist gut. So, worauf wollte ich hinaus? Ach ja. Und daher ist es gut, denn man bekommt mehr Sicherheit. Du arbeitest an der Setlist, an den Songs, die du spielen wirst und das ist gut, um wieder reinzukommen.
whatrocks: Tom, du bist Songwriter und Filmemacher in einer Person. Wenn du Songs schreibst, sind dann da Bilder in deinem Kopf? Oder umgekehrt: Hast du schon einen Soundtrack im Ohr, wenn du eine Idee für einen Film hast? Wie ist deine persönliche Genese von Songs, Videos oder Filmen?
Tom: Es ist nicht so einfach. Beides ist gleich wichtig für mich, aber es ist nicht so einfach, dass ich da etwas Bestimmtes sehe. Es dreht sich alles um Gefühl, weißt du. Bei Filmen kann da ein Bild oder der Dialog in meinem Kopf sein. Oder bei Songs der Text oder der Rhythmus, wie bei "The Vanishing of Maria Schneider" auf diesem Album. Da kommt beides zusammen. Es ist ein sehr cinematischer Song. Außerdem ein Song über eine Schauspielerin. Ein Song über dieses romantische 70er-Hollywood-artige Gefühl. Ich möchte den Song nicht erklären, aber wenn ich das Lied heut Abend singe, wirst du hoffentlich auch genau das fühlen, was ich meine.
whatrocks: Wo wir schon dabei sind: Welche Filme der näheren Vergangheit haben dich begeistert und welche kannst du gar nicht abwarten zu sehen?
Tom: Ich freue mich darauf den neuen Coen Brothers-Film zu sehen, das hab ich bisher versäumt. Außerdem den neuen Sidney Lumet: "Until The Devil Knows You’re Dead". Da habe ich einen Artikel im Spiegel gelesen, aber ich weiß den deutschen Titel nicht. Den besten, den ich gesehen habe war James Grays "We Own the Night" (Helden der Nacht). Der war großartig.
Was ist das Spezielle, was du von einem Film erwartest?
Tom: Das kommt ganz darauf an, was ich ansehe. Wenn ich Comedy sehe, dann will ich lachen. Als ich mir diesen James Gray-Film ansah, wusste ich, der ist dunkel, cinematisch und langsam. Und drei, vier Stunden nach dem Film war ich noch immer in diesem Vibe. Dieses Unterkühlte. Ich wollte danach in eine Bar. Und normalerweise bin ich so "Yeah, ich will einen Drink!" Und als ich rein kam war ich so (spricht langsam und cool): "Ich will einen Drink." Das ist ein gutes Zeichen, wenn du den Film weitergehst. Ein Freund von mir hat sich die erste Staffel der "Sopranos" in einem Durchlauf angesehen. Und er hat sich tagelang so gegeben wie diese Leute. Das ist ein gutes Zeichen eines Films, wenn du weiter in dieser Welt treibst. Ja, das ist mein Lieblingsfilm der letzten Zeit.
whatrocks: Also du willst unterhalten werden und das Werk muss nicht unbedingt einen übertriebenen Anspruch haben?
Tom: Nein. Muss es nicht. Aber wenn ein Film mehr Anspruch hat, dann ist das gut. Ich will nicht einfach nur unterhalten werden, aber wenn es ein Unterhaltungsfilm ist, dann will ich unterhalten werden. Wenn es eine Komödie ist, dann will ich lachen. Ich mag viele verschiedene Sachen.
whatrocks: Ist da etwas, was du noch zu "Vantage Point" sagen möchtest, was wir noch nicht angesprochen haben?
Tom: *Beugt sich ganz weit über das Diktiergerät und spricht langsam und tief hinein* 
Legt es im Auto auf, um zehn nach zwei in der Nacht, bevor ihr in den Club geht.
whatrocks: Und dann eine nette Frage, die ich immer stelle: Gibt es eine Frage, die du schon immer mal beantworten wolltest, die man dir aber noch nie gestellt hat?
Tom: Nein, denn jeder hat mich wirklich schon alles gefragt.
whatrocks: Dann sind wir auch schon durch. Danke. Habt eine großartige Show, einen schönen Abend und alles Gute für dich und deine Band. Bis zum nächsten mal.
Tom: Danke dir, Mann! Werdet ihr euch auch die Jungs von "Black Box Revelation" ansehen?
whatrocks: Aber sicher!
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(TS) |
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Künstler: |
dEUS / Tom Barman |
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Interviewer: |
Thorsten Schneeweis / whatrocks |
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